;-) in der DDR
(für mich 1959-1972)                    
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Na, was stimmt hier nicht?

 

 


Andere Tauchanfänge in der DDR

Galerie DDR-Technik

Bilder Selbstbau-Tauchtechnik

 
13 Tage nach Gründung der DDR wurde ich in einem Kleinstädtchen inmitten idyllischer Seen und Teiche im Noorrden der Republik mit Hilfe eines Bastlers (Chirurg) geboren. Die nächsten Jahre war ich damit Die Jungen Pionierebeschäftigt, die Mastversuche kriegshungergeschädigter Eltern und Großeltern zu überleben und mit und trotz Pionierorganisation (Abzeichen links) eine glückliche Kindheit in Wald, Flur und Schrottplatz zu verbringen. 1959 in der 4. Klasse packte mich aus kaum noch nachvollziehbaren Gründen (Cousteau oder Hass können es nicht gewesen sein, wir hatten kein Westfernsehen) das unstillbare Bedürfnis, meinen Lieblingsbadeseen unter die Oberfläche zu gucken. Die grüne Gummi-Tauchmaske gab's ja für 9,50 MdDDR in der SPOWA, aber Flossen und Schnorchel brauchte ich noch, was ich irgendwoher wusste.
Da die Westtante mit ihren nahrhaften Paketen für derlei Wünsche kein Verständnis hatte, war Basteln angesagt, was ich in den Arbeitsgemeinschaften der Jungen Pioniere (Flug- und Schiffsmodellbau, Detektor- und Röhrenempfänger für KW,...) und im UTP (Unterrichtstag in der Produktion) schon ausführlich gelernt hatte.
Schnorchel wurde ein gebogenes Ms-Rohr unbekannter Herkunft ohne so etwas Unnützes wie ein Mundstück, später (am 12.8.1961 in Westberlin gekauft, letzte Gelegenheit) gab's doch noch einen von der Westtante, mit Tennisball !
Flosse mit aufgeschraubtem Schuh
Als Flossen bewährten sich nach unzähligen bespöttelten Vorversuchen schließlich passend gesickte Alu-Bleche aus dem Leitwerk eines Messerschmidt-Jägers vom schon erwähnten Schrottplatz mit aufgeschraubten alten Sandalen, die Mutter als verbummelt gemeldet waren. Damit bin ich etwa 2 Jahre glücklich und zufrieden *sologetaucht*.
1997 von Z..gle, aber exakt so sahen meine 1960 aus Sie sahen exakt so aus wie die mal 1997 angekündigten Reiseflossen eines bekannten Herstellers (siehe linkes Bild), die Klettverschlüsse muss man sich natürlich in Riemchen mit Schnallen umdenken.

Verschwiegen sei auch nicht meine Harpune, die immer dabei war und das Ganze auch für meine Eltern interessant machte (Fische galten aber als geangelt). Die Harpune bestand aus einem unverfänglichen teilweise geschlitzten Messingrohr, in dem eine Expanderfeder (vorsintflutliches Bodybuildinggerät) gespannt werden konnte. Verschossen wurden ungefesselte Harpunen aus Regenschirmspeichen. Wenn man so'n Ding an Land aus 4m Entfernung in Holz schoss, bekam man es nur mit einer Zange wieder heraus (Bild des Werkes eines anderen Bastlers).
Mein Abzeichen Junge Rettungsschwimmer des DRK
Funk-Leistungsabzeichen der GST
Soweit zur postnatalen Vorgeschichte, unzählige und ständige technische Versuche zur Luftversorgung in den nächsten Jahren will ich hier weitestgehend übergehen.
Aber z.B. habe ich den heute noch kurios anmutenden DiveMan (wer kennt den schon) damals vorerfunden. Er bestand aus einem 5-m-langen Gummischlauch (aus Fahrradschläuchen geklebt) mit Schwimmring als Boje, einer Wasserballblase als Gegenlunge und einer bidirektional betreibbaren Gaskreiselpumpe aus einem Flugzeugwrack, die ritscheratsche mit beiden Ellenbogen gezogen wurde...wahnsinniger Anblick!
Bloß, man war mehr mit Luftbeschaffung als mit Tauchen beschäftigt ;-(((

Auch einen Versuch wie auf dem rechten Bild machte ich. Die Anleitung aus dem Internet hatte ich damals allerdings noch nicht. Meine Kreiselpumpe schwamm oben in einem LKW-Reifen. Der für mich verfügbare Motor lief mit dem Bleiakku vom Schrottplatz allerdings nur etwa 20 min. Mit DER logistischen Aufgabe war mein Fahrrad auf die Dauer einfach überfordert.

Luftversorgung durch Kompressor an der Oberfläche
Die nächste Etappe begann mit der Bildung einer Tauchgruppe in der lokalen GST (Gesellschaft für Sport und Technik), in der ich schon Amateurfunk und Segelfliegen betrieben hatte. Ich machte schnell hintereinander die Prüfungen für die Stufen A und B, die noch wirkliche Prüfungen waren :-((, und durfte nun mit MEDI 713 und Hydromat 1000, die der GST gehörten, in der Gruppe tauchen.
Wir fuhren viele Wochenenden mit dem H3a (rustikaler LKW) der GST und einigen 40-l-Flaschen zu den Seen der Umgebung, füllten dort die Preßluft mit Hilfe von Handpumpen in 4- und 7-l-Flaschen um und stürzten uns in die Fluten.
Kompressoren waren absolute Mangelware, manche Tauchgruppen von Großbetrieben hatten welche. Auch auf diesem Gebiet wurde also stark gebastelt. Am weitesten verbreitet war der Kompressormodul AK150, der aus 'nem Flugzeug stammte und mit allem angetrieben wurde, was sich drehte.
Masken, Schnorchel und Gummi-Flossen (Najade, auch ein legendäres Teil) gab's inzwischen in der SPOWA, an mehr war aber nicht zu denken.
umfüllen von Speicher- in Atem-Flaschen

 

Blei wurde selbst gegossen (wieder Schrottplatz) und auf Judogürtel gefädelt.
Anzüge und Jackets brauchte man nicht, wir sind wirklich im Heinitzsee bei Berlin in Badehose auf 30m getaucht und dort 20min geblieben (jaja, die Jugend!).
Der einzige manchmal verfügbare Anzug war das zweiteilige Gummistück Pinguin mit einer Wickelmanschette am Bauch und ohne Inflatoranschluß. Das gab herrliche Barotraumen auf der Haut, aber man fror nicht so.
Von Neopren träumten wir zunächst nur, also mußten Ersatzstoffe wie Zellgummi oder Badematten aus Schaumgummi herhalten, was meist nicht besonders von Erfolg gekrönt war.
Manchem schickte die Westomi auch einen Sack Neoprenabfälle, die wir als Flickenteppich zu Kopfhauben, Westen oder gar Anzügen mit Transportbandkleber aus der Braunkohleförderung zusammenfügten. Später (etwa ab 1968) gab's auch Surfanzüge aus der CSSR (heute Tschechien). Der Spitzname ''Tschechenbretter'' sagt einiges über die Qualität.

Gebastelt wurde immer, z.B. UW-Kameras, Lampen, Uhrengehäuse, Orientierungsgeräte...
Meine erste Kamera war eine Balgenkamera Beltica von 1936 (genommen wurde, was da war) in einem selbstgelöteten Gehäuse aus dem verzinktem Stahlblech einer Wäscheschleuder. Alle Durchführungen waren Oberteile von Messingwasserhähnen mit Stopfbuchsen (Bilder von dem Teil gibt's leider keine mehr).
Die nebenstehende Kamera habe ich dann einige Zeit verwendet. Das Gehäuse ist das Alu-Gehäuse eines Feuchtraum - Starkstromschalters, in das die Scheibe und eine Lupe für den Lichtschachtsucher eingeklebt sind.
Das Gehäuse wurde mit 4 Schrauben verschlossen und mit Moosgummischnur abgedichtet (später mit Cenusil (Silikon)).
Drinnen ist die legendäre Spiegelreflex-Kamera EXA 1 der Ihagee-Kamerawerke Dresden mit Lichtschachtsucher (Das Objektiv ist leider verlorengegangen, nicht im Wasser ;-). Alle wesentlichen Einstellungen konnten von außen vorgenommen werden. Für diese Kamera gab es übrigens auch ein industriell gefertigtes Gehäuse.
  Meine Kamera hat aber nur ostdeutsche Binnenseen und ein bißchen Ostsee-Bodden gesehen (weiter raus durfte man nicht). Da das Blitzgerät nie fertig wurde (ich hab' einfach 1966 die bierflaschengroßen Blitzelkos und dicken Akkus nicht in ein akzeptables Gehäuse gebracht), war die Einsatztiefe wegen der Lichtverhältnisse auf etwa 5m beschränkt. Tarieren war auch nicht so einfach ohne Jacket. Eigentlich mußte man ja ständig schwimmen. Und dabei fotografiert mal... Spaß hat's trotzdem gemacht. Die grünstichigen und kontrastarmen Bilder sind später leider alle familiengründenden Aufräumungsaktionen zum Ofer gefallen.

In den folgenden Jahren wurde die GST mit militärischem Mehrkampf, Werbung für Zeitsoldaten und Berufsoffiziere so penetrant, daß es für Technikfreaks und Liebhabertaucher geraten war, sich in die Privatsphäre zurückzuziehen (etwa 1968).
Aber da gab's leider keine Tauchgeräte, also..... selber bauen. Der einzige "Tauchshop"  in der ganzen Republik, in der Hauptstadt Berlin,  hatte zwar die Frechheit, Tauchgeräte in Anzeigen anzubieten, aber als Privatperson dort zu kaufen ... Pustekuchen!
Tauchabzeichen DDR
Flaschen waren relativ schnell beschafft, das waren 8-l-Feuerlöscher, die 200 Atü aushielten. Da mußte man nur den angeschweißten Stahlfuß *abflexen* (natürlich mit Bügelsäge und Feile), ein irgendwo abgestaubtes konisches 5/8-Zoll-Ventil (mit Hanf!) eindrehen, und schon konnte man aus den 40-l-Flaschen füllen, die man sich aus der Metallgenossenschaft auslieh und die Preßluft zum Brennschneiden enthielten (Mmmh, dieser Ölgeschmack!).
Tragegestelle baute ich aus Alu-Sammelschienen (hatte der Elektriker) und wieder Judo-Gürteln.
Aber der Regler brauchte doch einige Vorversuche, solange mußte man sich noch mit der GST gutstellen oder bei der Wasserpolizei in den Potsdamer Havelseen als Tauchassistent ferienjobben (Igittigitt, das Wasser! Aber Spaß hat's da trotzdem gemacht und war unvergeßlich!).
Es gab nicht etwa deswegen keine Regler, weil in der DDR keine gebaut werden konnten. Für einen Hydromat 1000 oder 66 hätte ich ohne Wimpernzucken mein Sportrad und die Modelleisenbahn verkauft und 1000 MDN hingeblättert. Aber es gab keine, man hätte ja damit unter den *Grenzsicherungsanlagen* durchtauchen können. Dabei wollte ich garnicht, ich war hier glücklich.
Ich kannte 1-Schlauchregler nur von Bildern und Prinzipskizzen aus der POSEIDON, der Leib- und Magen - Taucherzeitung der DDR. Es galt, mit heimischen Rohstoffen so'n Ding aus dem Block zu läppen.
O2-Flugzeug-Manometer - modifiziert zum FinimeterGut, mein erster hinlänglich funktionierender Versuch einer 1. Stufe bestand im Wesentlichen aus dem Bremszylinder eines Trabbi. Da das Gehäuse aber aus Alu-Druckguss war, bekam man es nur schwer dauerhaft dicht, und so wurde es verworfen. Mangels Möglichkeiten, hinreichend genaue Gewinde zu drehen, passte ich schließlich und kaufte ein Exemplar (siehe Bild oben links) der Kleinserie eines Leipziger Tauchkollegen, der bessere Beziehungen zu Dreherei und Messing hatte (wertvolles Buntmetall!). Das war eine schön kleine kolbengesteuerte Stufe mit nur einem MD-Abgang (weitere hätte man einlöten können), aber ohne HD-Abgang. So war kein Finimeter anschließbar. Ich hatte mir aber 'ne Flaschenbrücke aus Messing gedreht, in die ich nun ein Cu-Rohr aus 'nem Flugzeugwrack einlötete (keine Ahnung, für wieviel Atü das gedacht war), an dessen Ende ein 250-Atü-Sauerstoff-Manometer hing, das man mit verdrehtem Hals gerade so ablesen konnte.
Bei der 2. Stufe war ich selbst erfolgreicher. Der erste Versuch waren Reglerschalen aus getriebenem Messing, die mit einem Spannring zusammengepreßt wurden, dessen ursprüngliche Bestimmung es gewesen war, den Auspuff meines Kleinrollers Schwalbe zusammenzuhalten (Ja ja, ich hatte 2 Spannringe!). Das Treiben von Messing mit dem Hammer, das ich mit Hilfe eines Bastelbuches für Kerzenständer u.ä. erlernte, machte echt Spaß, und es entstanden gleich noch eine Reihe anderer nützlicher Kleinigkeiten als Tauschobjekte ;-).
Damit konnte ich z.B. einen Galvaniseur überreden, mir den Regler zu vernickeln (siehe links). Der Mundregler funktionierte prinzipiell und hat einige Tauchgänge mit dem Innenleben unten (aus Ms zusammengelötet) überstanden.
Aber Plaste und Elaste wurden modern. Da gab's das ebenfalls legendäre Hobbyplast zu kaufen (ungesättigtes Polyesterharz), mit dem andere Surfbretter, Motorradverkleidungen und Bootskörper bauten. Also einen Holzregler bauen, mit Wachs abgießen und die Form mit schwarz oder gelb gefärbtem Hobbyplast füllen. So hatte ich eine 2. Stufe aus Plastik... schön leicht.
Interessant ist noch der MD-Anschluß; Gewinde waren ja immer noch schwierig. Also nimm ein fertiges! Das hatten HF-Stecker aus der Elektronik. Also eine Hochfrequenzbuchse in das Hobbyplast eingießen und einen Hochfrequenzstecker an den ND-Schlauch (Luftpumpenschlauch) stecken...perfekt!

Die Reglermembran und das Ausatemventil bestanden übrigens immer aus den Handflächen von Gummihandschuhen - sehr strapazierfähig.
Die zweite Stufe, die endgültige, in ferner Anlehnung an den Poseidon Cyklon 300, mit der ich dann einige Jahre getaucht bin, ist die oben links. Die Gehäuseschalen sind aus PVC gedreht und werden von Ms-Schrauben zusammengedrückt. Das ganze sitzt auf einem Alu-Rohr, in dem sich das Ventil befindet (Hauptventil des Trabi-Vergasers, mit dem Druck dichtend). MD-Anschluß ist natürlich wieder ein HF-Stecker.
Das Ding hat mich fast 2 Jahre begleitet, bis mit dem Tauchen 1972 erstmal Schluß war, weil mit dem Ende des Studiums der Ernst des Lebens und auch das Familienleben begann.
Lange nach der Wende, 1995, packte es mich aber plötzlich wieder, und ich stieg ins scubadiving ;-)) ein. Welch ein Überfluß... aber gebastelt wird trotzdem noch!

Kleiner Nachsatz:

Mir ist natürlich klar, daß auch zu dieser Zeit andere in der DDR technisch viel weiter waren als ich, weil sie kollektiv und technologisch den Umständen entsprechend perfekt arbeiteten, siehe z.B hier (Bild links).


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