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Erfahrungen "Hydromat"  Jörg Zimmermann

Die Sicherheit beim Unterwasseraufenthalt des Tauchers hängt in nicht unbeträchtlichem Maße von der Funktionssicherheit der Taucherausrüstung ab. Sein Atemgerät muß dabei so sicher arbeiten, daß er sich unter Wasser voll und ganz auf die Erfüllung seiner Aufgaben, auf die Selbstkontrolle und die Beobachtung seiner Kameraden konzentrieren kann, ohne durch ständige Sorge um die Funktionstüchtigkeit seiner Ausrüstung abgelenkt zu werden. Diese Forderung aber ist nur beim richtigen Umgang mit den Geräten zu erfüllen.
Hydromat in TransportkisteSeit Jahren werden in der Gesellschaft für Sport und Technik in steigender Zahl Tauchergeräte des Typs "Hydromat" vom VEB Medizintechnik Leipzig eingesetzt. Wie jeder andere Gerätetyp besitzt auch dieser einige spezifische Besonderheiten, die beim Tauchen, bei der Wartung und Lagerung berücksichtigt werden müssen, wenn man nicht Gefährdung der Taucher, Ausfälle und relativ hohe Reparaturkosten in Kauf nehmen will. Extremfälle, in denen nach wenigen Stunden Tauchzeit eine Automaten-Generalreparatur, die ihre Ursache in Nachlässigkeiten des Tauchers hat, notwendig wird, sind zum Glück selten, kommen aber vor.
Im folgenden werden einige Tips gegeben, die zur Erhöhung der Lebensdauer des Gerätes und der Sicherheit des Tauchers beitragen sollen. Zur Sprache kommen auch einige charakteristische Mängel, die das Gerät trotz wesentlicher Verbesserungen noch besitzt.
Wenn ab und zu einige Worte über die Funktionsweise einzelner Teile fallen, dann nicht, um Bekanntes zu wiederholen, sondern weil vielleicht für den einen oder anderen Taucher doch etwas Neues dabei ist; die Teilbezeichnungen sind dabei denen des Ersatzteilkataloges des Herstellers angeglichen.

Die beschriebenen Pflege- und Prüfmaßnahmen sind so ausgelegt, daß kein Eingriff, der Garantieansprüche hinfällig machen könnte, notwendig wird.
Reparaturen an Tauchgeräten dürfen in der GST nur von Gerätewarten in bestimmtem Umfang durchgeführt werden, die hierfür zutreffende Regelung erarbeitet zur Zeit die Arbeitsgruppe Technik.
Es ist nicht Ziel dieses Beitrages, Reparaturhinweise zu geben.

Seitenanfang1. Der Lungenautomat (Regler)

Bei den Lungenautomaten sind zwei Typen in Gebrauch, die sich von außen praktisch nicht unterscheiden (der Einschlauchautomat wird im Rahmen dieser Abhandlung noch nicht berücksichtigt).
Bei der neueren Ausführung fallen wesentliche Mängel weg, Grund dafür ist das durch Hebelbewegung zwangsweise öffnende Ventil der 2. Stufe.

Äußerlichkeiten

Die Reglergehäuse bestehen aus verchromtem Messingblech, das Material ist relativ weich und bedarf einer ständigen Pflege. Kleinere Beulen im Gehäuse zeugen nicht gerade von sehr sorgfältigem Umgang, sind aber für die Funktionstüchtigkeit meist bedeutungslos. Tiefe Kratzer in der Chromschicht allerdings begünstigen eine schnelle Zerstörung des darunterliegenden Metalls, besonders bei Tauchgängen in Seewasser.
Die Handverschraubung des neuen Typs weist eine Besonderheit auf - ihr 0-Ring dichtet oft nur, wenn nach dem Einschrauben der Regler zusätzlich mit der Hand in Richtung Flasche oder T-Stück gedrückt und das Ventil geöffnet wird. Nach dem Öffnen der Flasche sitzt der Regler fest, so fest, daß gewaltsames Drehen die Befestigung des Gehäuses mit der 1. Stufe im Regler beschädigen kann.
Daß der Regler nach dem Tauchen mit Süßwasser abgespült werden sollte, ist bekannt und bedarf keines weiteren Kommentars. Doch das Kriterium für Tauchergerätepflege ist nicht der äußere Zustand des Reglers, es ist erstaunlich, welches Bild oft außen blanke Regler innen bieten.

BILD 1: Regler - neuer Typ; dieser Automat wurde nach zwei Tauchstunden in der Ostsee naß gelagert. Alle Metalloberflächen sind durch Korrosion stark angegriffen. Pfeile - besonders starke Korrosion.

BILD 2: Durch Korrosion des Reglergehäuses beschädigter Membranenrand

BILD 3: Beginnende Zerstörung durch Elektrolyse. An den zwei durch Pfeile bezeichneten Stellen lag der Hebel der 2. Stufe an

SeitenanfangGummiteile des Reglers

Nach Lösen der Zylinderschraube und Abnahme des Spannringes (Bruch der Plombe hat beim neuen Typ keinen Einfluß auf die Garantie, zu beachten ist aber die Überprüfung nach dem Zusammenbau) kann die Membrane abgenommen werden. Der Membrangummi ist gegenüber Verschmutzungen mit Öl oder Benzin sehr anfällig:

Schon wenn man in Gewässern mit einer dünnen Ölschicht an der Oberfläche taucht, muß die Membrane täglich mit warmem Seifenwasser abgewaschen und mit Süßwasser abgespült werden. Korrosion an den Rändern von Ober- und Unterteil des Reglers (Bild 1) drückt sich tief in den Membranenrand ein und zerstört die Gummioberfläche (Bild 2). Die Membrane ist im Zentrum durch eine Leichtmetallplatte verstärkt. Dringt Feuchtigkeit, besonders Seewasser, ins Reglerinnere ein, beginnt an den Stellen, an denen der Hebel der 2. Stufe anliegt, eine schnelle elektrolytische Zersetzung. Im verstärkten Maße dann, wenn der Hebel, wie bei den ersten Reglern des neuen Typs, nicht aus antimagnetischem Stahl gefertigt wurde. Am besten ist eine Kontrolle mit Magneten, der Umbau erfolgt als Garantieleistung.
Noch größer ist die Gefährdung des Ausatemventils durch Öl. Da es meist dicht am Oberteil anliegt und die Feuchtigkeit zwischen beiden nur sehr langsam abtrocknet, hat jede eingedrungene aggressive Flüssigkeit Zeit zu wirken. Solche Schäden werden beim einfachen Durchatmen als Kontrolle vor dem Einstieg nicht festgestellt, unter Wasser steigt dann der Ausatemwiderstand an, und ist zusätzlich auch das Ausatemventil in der Mundstückkammer nicht mehr ganz in Ordnung, kann die mitzuatmende Wassermenge beträchtlich werden!

Hier ist also ebenfalls Abspülen mit Süßwasser notwendig, eventuell auch vorheriges Abwaschen mit Seifenwasser, festsitzende Ölflecken kann man mit Alkohol entfernen.

BILD 4: Durch Ölverschmutzung zerstörtes Ausatemventil; ein Teil des Gummiventils klebt am Gehäuse

BILD 5: Korrodierte Oberfläche eines Schließbolzens der 2. Stufe

BILD 6: Durch die dick mit Fett (hier Vaseline) beschmierten Metallteile dieses Reglers wurden alle vorhandenen Gummiteile zerstört

SeitenanfangDie 2. Stufe

Der Schließbolzen der 2. Stufe (Ventilstein) wird beim alten Typ durch die von der ersten Stufe kommende Luft aufgedrückt, wenn der Hebel diese Bewegung freigibt. Die Oberfläche des Schließbolzens ist nicht verchromt und korrodiert sehr schnell. Das kann so weit gehen, daß der Schließbolzen vollständig festsitzt und der Regler bei der Überprüfung keine Luft abgibt. Der Ausbau eines solchen Schließbolzens erfolgt mit Hilfe eines vorsichtig eingeschraubten Gewindebohrers, nachdem Hebellagerung, Hebel und Feder abgenommen wurden. Achtung: Die Federspannung wird vom Werk erforderlichenfalls durch Unterlegscheiben eingestellt, nicht verlieren!

Ein so gezogener Schließbolzen ist gewöhnlich nicht mehr zu verwenden. Um diesem unnötigen Verschleiß vorzubeugen, wird der Schließbolzen regelmäßig alle 10 bis 15 Tauchstunden oder bei täglichen Einstiegen jede Woche ausgebaut und dünn mit Silikonfett eingerieben. Es darf dabei keine Fettschicht entstehen!

BILD 7: Prüfschema für die Prüfung auf Dichtheit eines Lungenautomaten
1 - Druckminderer, eingestellt auf 0,5 atü,
2 - Dreiwegehahn,
3 - Manometer (Meßbereich bis 10 atü),
4 - Einatemanschluß

Aus- und Einbau der Hebellagerung müssen entsprechend vorsichtig erfolgen, um den Draht nicht zu verbiegen und die Bohrungen nicht zu beschädigen. Bläst der Regler ständig Luft ab, liegt das meist weniger an Undichtigkeiten oder anderen Fehlern in der 2. Stufe, auch Erhöhung der Federspannung hat keinen Sinn.

Wenn der Schließbolzen der 1. Stufe undicht wird, steigt der Druck im Gehäuse der Stufe, und der Schließbolzen der 2. Stufe läßt die Luft ab, wirkt also als Sicherheitsventil. Reparaturen an der 1. Stufe haben nur Aussicht auf Erfolg, wenn die 1. Stufe vollständig demontiert werden kann, und das ist zur Zeit nur im Herstellerwerk möglich.
Geringfügiges Abblasen hat kaum Einfluß auf die Funktionstüchtigkeit, die Tauchzeit verringert sich unwesentlich; aber der Regler sollte nur noch zu einfachen Einsätzen in geringer Tiefe eingesetzt und bei der nächsten Gelegenheit zur Reparatur gegeben werden. Der beschriebene Mangel der 2. Stufe des alten Typs ist bei der neuen Ausführung durch den veränderten Aufbau der Teile beseitigt worden, die Pflege ist also einfacher und der Automat funktionssicherer.Um Korrosion zu vermeiden, sollte man die Metalloberflächen des Gehäuses nach dem Trocknen ebenfalls dünn mit Silikonfett einreiben, natürlich außer an den Stellen, die direkt mit Gummiteilen in Berührung kommen (das gilt auch für die Membrane der 1. Stufe).
Hier eine Fettschicht aufzutragen ist genauso schädlich, wie den Regler überhaupt nicht zu pflegen. Bei allen Arbeiten ist unbedingt darauf zu achten, daß die Farbplombierungen an der 1. und beim neuen Typ auch an der 2. Stufe nicht beschädigt werden. Daß die Einstellung des Reglers nicht verändert werden darf, versteht sich von selbst.

Seitenanfang2. Überprüfung des Lungenautomaten

Nach jeder Demontage zu Wartungs- oder Kontrollmaßnahmen und dem folgenden Zusammenbau müssen die Dichtigkeit des Reglers und die richtige Membraneinspannung überprüft werden. Der Hersteller gibt dazu folgendes Prüfschema. Die Überprüfung erfolgt durch inneren Überdruck von 0,5 at. Nach dem Schließen des Dreiweghahnes darf innerhalb einer Minute kein Druckabfall im Regler auftreten. Diese Überprüfung hat für die Sicherheit des Tauchers große Bedeutung und muß unbedingt durchgeführt werden.
Die Messung von Durchflußmenge und Atemwiderstand ist an anderer Stelle bereits beschrieben worden (Atembremsen unter der Lupe, "poseidon" 2/1970 zu Atembremsen).

3. Atemschläuche und Mundstückkammer

Atemschläuche und Mundstückkammer (Werksbezeichnung: T-Stück) mit Ventilen, Dichtungen, Verschraubungen und Gummimundstück sind in bezug auf Wartung und Pflege recht anspruchslos; im allgemeinen genügt es, am Ende eines Tauchtages den Einatemschlauch vom Regler abzuschrauben und die Schläuche mit Süßwasser durchzuspülen.

Wer mehr tun will, nimmt die Mundstückkammer auseinander, wäscht alle Teile einzeln ab und baut sie erst nach dem Trocknen wieder zusammen. Diese Maßnahme sollte an jedem Gerät mindestens nach 10 bis 15 Tauchstunden durchgeführt werden. Dabei muß man darauf achten, daß keine Dichtungen verlorengehen und daß man die Ventile in der richtigen Durchlaßrichtung einbaut. Gleichzeitig kann man überprüfen, ob die Ventile richtig auf der Halterung sitzen und auf dem ganzen Umfang dicht aufliegen. Schadhafte oder fehlende Ventile vergrößern den Totraum des Atemsystems und erhöhen damit die CO2-Belastung des Organismus, und führen zur schnellen Ermüdung. Mundstück
Ein nicht funktionierendes Einatemventil läßt beim Ausatemvorgang Luft in das Reglerunterteil (Einatemseite) zurückströmen, dadurch wölbt sich die Membrane nach oben und kann so auf den Entenschnabel drücken, daß eine normale Ausatmung unmöglich wird. Fehlerhafte Ventile lassen außerdem, wenn das Mundstück aus dem Mund genommen wird, Wasser in Schläuche und Regler eindringen.
Korrosion unter der Flaschklammer Seitenanfang4. Druckluft-Flaschen

Die Lebensdauer der Leichtstahlflaschen ist wesentlich von ihrer Pflege abhängig (über Korrosionsschutz ist in diesem Zusammenhang schon viel geschrieben worden, trotzdem, der verwendete Farbanstrich genügt in keiner Weise den Anforderungen). Besonders an den Böden und unter den Schellen bildet sich schnell Rost. Hier gibt es nur eine Möglichkeit: Jede Beschädigung in der Lackschicht schnellstens mit Pinsel und Farbe zu beheben. Zum Schutz der Flaschenböden liefert der VEB MEDI Gummikappen (Best.Nr. 64009). Die Kappen ermöglichen auch das Abstellen des Gerätes.

Die Korrosion unter den Schellen läßt sich dadurch einschränken, daß man sie möglichst oft löst und erst nach dem Abtrocknen der betreffenden Stellen wieder montiert. Das Ergebnis einer oberflächlichen "Pflege", bei der zwar die Flaschen gestrichen, dazu aber nicht einmal die Schellen abgenommen wurden, kann man sich vorstellen.

ventil-medi.jpg (62592 Byte) 5. Ventile

Sie sind im allgemeinen sehr funktionssicher und benötigen kaum Pflege. Ihre Funktionsweise geht aus dem Bild hervor. Die Hochdruckabsperrung wird durch die in einem Gewinde drehbare Unterspindel (10) erreicht, Abdichtung nach außen erfolgt durch eine Dichtung im Verschluß (2) zusammen mit der Oberspindel (3). Tritt Luft zwischen dem Verschluß und dem Ventilgehäuse aus, muß der Verschluß (2) nachgezogen werden. Wird die Undichtigkeit direkt am Handrad festgestellt, spannt man mit der Schlitzmutter (6) die Druckfeder (7) nach, hilft das nicht, wird das Ventil bis zum Anschlag geöffnet (dabei drückt die Unterspindel die Oberspindel gegen die Dichtung). Ist das Ventil auch dann noch nicht dicht, wird die Dichtung (in Teil 2) überprüft und bei Bedarf ausgewechselt.

Undichtigkeiten an dieser Stelle treten meist dann auf, wenn die Oberspindel durch Schlag oder Stoß auf das Handrad verbogen wurde. Zum Richten ist sie unbedingt auszubauen, ansonsten riskiert man noch größere Schäden am Ventil. Daß man nur an drucklosen Flaschen und Ventilen arbeitet, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Bei der Kontrolle der Ausrüstung muß darauf geachtet werden, daß der Gummiring des Handrades nicht durch Alter oder Öleinfluß geweitet wurde und auf dem Rad rutscht, besonders in feuchtem Zustand kommt es dann vor, daß das Ventil zwar "aufgedreht", aber nicht geöffnet wird.

Seitenanfang6. Rückzugswarneinrichtung

Ein sehr oft vernachlässigtes Bauteil ist die Rückzugswarneinrichtung (Reserveschaltung). Hier sind zwei äußerlich sehr verschiedene Ausführungen in Gebrauch, ihr Aufbau geht aus den Skizzen hervor. Bei richtiger Handhabung sind beide Arten genau wie die Flaschenventile wartungsfrei, müssen aber, ihrer Bedeutung entsprechend, einer ständigen Kontrolle unterliegen.

BILD 9a: Schema Reserveschaltung (alt);
A - Luftweg vom Absperrventil, Ventil nicht dargestellt,
1 - Ventilgehäuse,
2a - Verschluß Reserveschaltung,
3a - Oberspindel Reserveschaltung,
8 - Gleitscheibe,
9 - Plättchen, in der Oberspindel befestigt,
11 - Anschluß für Regler R 5'8",
13 - Unterspindel Reserveschaltung,
14 - Schließbolzen Reserveschaltung,
15 - Druckfeder mit Pilz,
16 - Widerlager,
16a - Widerlager Sicherung,
21 - Dichtung,
22 - Ring zur Befestigung von Hebel und Zugstange,
23 - Verschlußmutter,
24 - Anschlag f. Zwischenstück u. Manometerschlauch
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Im Herstellerwerk wird die Rückzugswarneinrichtung vor dem Einschrauben des Ventils in die Flasche eingestellt und überprüft. Bei geschlossener Rückzugswarneinrichtung soll dabei ein Luftstrom von mindestens 250 l/min bei Vorratsdrücken über 50 kp/cm2 fließen, ab 40 kp/cm2 Flaschendruck jedoch nur noch maximal 2 l/min.  Diese Werte kann man mit einem Durchflußmengenmesser überprüfen, wobei man mit der Messung bei einem Flaschendruck von 60 - 70 kp/cm2 beginnt und ständig Luftstrom und Manometeranzeige beobachtet.  Bei dieser Kontrolle sollte das Gerätemanometer durch ein genaueres Feinmeßmanometer ersetzt werden.

In der Praxis hat sich auch eine einfache Art der Überprüfung als wirkungsvoll erwiesen, die aber vor jedem Einstieg durchgeführt werden sollte:
Bei dem zum Abstieg klargemachten Gerät wird nur das Flaschenventil mit Reserveschaltung geöffnet. Schließt die Reserveschaltung dicht ab, steigt der Manometerdruck schnell bis auf einen Wert, der 30 bis 40 kp/cm2 unter dem Flaschenfülldruck liegt, und dann nicht oder nur sehr langsam weiter. Wird nun die Reserveschaltung gezogen, muß der Zeiger des Manometers schnell bis auf den Flaschenfülldruck steigen. Ist der Schließbolzen der Reserveschaltung schon etwas abgenutzt und dichtet nicht mehr so gut, daß diese Druckverhältnisse eindeutig zu beobachten sind, kann man das System auch anders prüfen: Bei geschlossener Reserveschaltung wird aus dem Gerät normal geatmet, dabei muß bei jedem Atemzug der Zeiger des Manometers um 30 bis 40 kp/cm2 zurückgehen und anschließend sofort wieder auf den Fülldruck steigen. Wird die Reserve geöffnet, bleibt der Zeiger beim Atmen auf dem jeweiligen Fülldruck stehen. Zu diesen Überprüfungen darf jeweils nur das Ventil der Flasche mit Reserveschaltung geöffnet werden! Zeigen beide Varianten ein negatives Ergebnis, ist die Reserveschaltung nicht funktionstüchtig. Grund dafür ist oft, daß bei der jeweiligen Stellung des Hebels und der Zugstange das Ventil der Reserveschaltung nicht fest geschlossen ist. Bei der alten Ausführung (Bild 9a) werden Kontermutter und Schraube am Hebel der Zugstange gelöst, der Hebel abgenommen und die Reserveschaltung durch Rechtsdrehung mit der Hand am Ring (22) geschlossen. Ergibt die Überprüfung nun die Funktionstüchtigkeit; wird der Hebel aufgesetzt und befestigt.

BILD 9
Ventil und Reserveschaltung (neu)

1 - Ventilgehäuse,
2 - Verschluß mit Dichtung,
2a- Verschluß Rs,
3 - Oberspindel,
3a- Oberspindel Rs,
4 - Handrad,
5 - Gummiring,
6 - Schlitzmutter,
7 - Druckfeder,
8 - Gleitscheibe,
9 - Plättchen, in der Oberspindel befestigt,
10- Unterspindel mit Dichtung,
11- Regleranschluß R 5/8",
12- Schutzrohr,
13- Unterspindel mit Dichtung,
14- Schließbolzen Rs,
15- Druckfeder mit Pilz,
16- Widerlager mit Sicherung,
17- Platte mit Gelenk und Zugstange,
18- Überwurfmutter,
19- Linsenschraube,
20- Verbindung Platte-Gelenk,
21- Dichtung,
22- Ring
Großes Bild - Klick
SeitenanfangBei der neuen Ausführung (Bild 9) wird die Linsenschraube (19) gelöst und der Überwurf (18) abgeschraubt. Nach Abnahme der Platte mit Zugstange (17, 20) erfolgt die Einstellung wie oben. Führen diese Maßnahmen nicht zum Erfolg, liegt die Ursache meist direkt am Schließbolzen oder an der Schließfeder (14, 15). Ihre Reparatur bedingt aber die vollständige Demontage der Reserveschaltung und eine Neueinstellung des Reservedruckes, zwar keine besondere Schwierigkeit, man sollte sie aber, da es sich um plombierte Teile handelt, dem Hersteller überlassen. Äußere Undichtigkeiten haben die gleichen Ursachen wie bei den Ventilen und sind ebenso zu beheben (Abschnitt 5). Besonders häufig treten bei der alten Ausführung Undichtigkeiten des Ventils der Reserve durch Verbiegungen der Oberspindel auf, die durch Stöße u. ä. hervorgerufen werden.

7. Manometer mit Höchstdruckleitung und Zwischenstück

Die Luftvorratsanzeige ist in ihrer jetzigen Ausführung sehr störanfällig; die Art der Befestigung mit dem über die Schulter geführten Schlauch ist unbequem und ermöglicht auch keine ständige Kontrolle, ohne daß man das Manometer zusätzlich mit der Hand erfaßt und entsprechend hält (Bild 10). Dadurch ist der Druckschlauch ständig starken Knickungen ausgesetzt und platzt schon nach relativ kurzer Betriebszeit (Bild 11). Es sind Fälle bekannt, bei denen der Schlauch auf dem ganzen Umfang gleichzeitig abriß und das Manometer wie ein Geschoß davonflog, die Verletzungsgefahr ist sehr groß. Bei den ersten Aufbauchungen, meist dicht an den metallischen Endstücken, sollte der Schlauch ausgewechselt werden.

In einer verbesserten Ausführung hält der Schlauch zwar länger, dafür reißen die Muttern (Bild 12). Meist ist nach solchen Defekten kein Ersatzteil vorhanden, und so sieht man sehr oft eine rigorose Abhilfe - der Anschluß wird auf mehr oder weniger qualifizierte Art dichtgesetzt.

Im folgenden einige Hinweise, um die Störungen möglichst einzuschränken: Manometer und Schlauch nur unmittelbar vor dem Tauchen und zum Füllen anschrauben, um jede unnötige Biegebeanspruchung zu vermeiden. Beim Abschrauben wird mit zwei Schlüsseln SW 17 gearbeitet, mit dem einen wird das Zwischenstück (in dem sich die Drossel befindet, die bei Schlauchriß ein schnelles Ausströmen der Luft verhindert) festgehalten und mit dem anderen der Schlauch gelöst. Hält man das Zwischenstück nicht, kann es eventuell mit gelockert werden, beim erneuten Anziehen muß auf die darunterliegende Cu-Dichtung ein hoher Druck ausgeübt werden, um Dichtigkeit zu erreichen. Und das übersteht der Sechskant des Zwischenstücks nur kurze Zeit, besonders wenn manchmal noch unbrauchbares Werkzeug benutzt wird (Bild 13). Da Kupfer als Dichtungsmaterial durch Druck hart wird und vor erneutem Gebrauch erst weichgeglüht werden muß, sollte man sich immer einige Cu-Dichtungen als Reserve halten.

SeitenanfangTransportiert man die Manometer nicht gesondert, ist es das einfachste, sie durch das Gelenk (Drahtöse) der Begurtung zu stecken (Bild 14). Sollte es doch einmal erforderlich werden, den Anschluß dichtzusetzen, so sägt man von einem unbrauchbaren Druckschlauch einen Stutzen ab, lötet die Öffnung hart zu und schraubt diesen Blindverschluß auf. Eine Veränderung des Manometeranschlusses, die zwar einige Nachteile ausschließt, aber zum Ablesen auch einen zusätzlichen Handgriff erfordert, zeigt Bild 15.

8. Flaschenpakete

Die Flaschen der Zwei- und Drei-Flaschen-Geräte werden durch T-Stücke und Schellen mit-einander verbunden. Die Befestigung der Schellen soll, besonders bei Geräten für körperlich kleine Taucher, so hoch wie möglich erfolgen, um einen bequemen Sitz des Gerätes zu ermöglichen. Die Verschraubung der Schellen wird von Zeit zu Zeit mit einigen Tropfen Öl leichtgängig erhalten. Das T-Stück verbindet Flaschen und Regler. Die Abdichtung an den Flaschenventilen erfolgt durch Vulkanfiberdichtungen. Diese werden mit der Zeit undicht, besonders wenn das Gerät beim Abstellen hart auf jeweils nur eine Flasche abgesetzt wird. Führt Nachziehen ohne besondere Kraftanwendung nicht zur Abdichtung, muß die Dichtung ausgewechselt werden. Anderenfalls wird unter Umständen der Anschlußzapfen im Verbindungsstück undicht. In diesem Fall wird die Cu-Dichtung ausgewechselt, beide Anschlußzapfen mit einer Blindmutter eingespannt und festgezogen. Werden statt dessen Rohrzangen o. ä. verwendet, beschädigt man die Teile.

Seitenanfang9. Begurtung

Die Begurtung der Geräte ist mit Schnellverschlüssen ausgerüstet. Beim älteren Typ (Blechformverschlüsse) kommt es häufig zum Verkanten, im Notfall gehen sie dann nur unter Schwierigkeiten auf. Die Längeneinstellung ist wenig zuverlässig und verändert sich während des Tauchens selbständig, das Gerät behält seine Lage nicht bei und rutscht dem Taucher über die Schulter oder über den Kopf. Auch kommt es häufig zu Verlusten von Schnallen. Um das zu verhindern, werden die Enden der Gurte zweifach umgeschlagen, dann vernäht oder verklebt. über die so entstandene Verdickung kann die Schnalle nicht rutschen. Generelle Abhilfe der beschriebenen Mängel ist aber nur durch die Verwendung zusätzlicher Schnallen an Bauch-und Reitgurt zu erreichen (Bild 16).

Bei der neueren Ausführung werden Drahtbügelverschlüsse verwendet. Sie sind normalerweise bequemer und funktionssicherer, jedoch aus zu weichem Draht gefertigt und lassen sich leicht verbiegen. Keinesfalls darf man beim Absetzen das Gerät auf einen Verschluß stellen oder selbst darauf treten.

Seitenanfang10. Kontroll-Liste

11. Desinfektion

Durch Desinfektion werden die Geräte gereinigt und Infektions- und Hautkrankheiten vorgebeugt. Besonders, wenn mehrere Taucher abwechselnd ein Gerät benutzen, soll das Mundstück bei jedem Wechsel mit 70-prozentigem Alkohol abgerieben werden.
Zum Tag der Bereitschaft, bei Neuinbetriebnahme, jeweils zu Lehrgangsbeginn und beim Auftreten von Krankheiten soll das ganze Gerät desinfiziert werden. Dazu müssen Regler und Mundstückkammer wie bei der wöchentlichen Durchsicht auseinandergenommen, in 40 bis 50° warmem Wasser abgewaschen und alle Teile mit einem Tupfer oder nichtfasernden Lappen (keinesfalls Watte!), der mit Alkohol getränkt wurde, ausgewischt werden. Die Atemschläuche spült man mit je etwa 20g Alkohol durch. Danach werden alle Teile mit Wasser abgespült und sorgfältig getrocknet.
Man muß allerdings unbedingt darauf achten, daß keinerlei Gewebefasern oder andere Verschmutzungen auf Ventilsitzen und Verschraubungen zurückbleiben.
Für die Desinfektion braucht man an Alkohol: Regler 20g, Mundstückkammer 30g und Atemschläuche 40g.

Seitenanfang12. Lagerung der Geräte

Unter Lagerung versteht man die planmäßige Aufbewahrung über längere Zeit. Sie erfolgt am günstigsten in den Transportkisten, die in kühlen und trockenen Räumen aufbewahrt werden.

Als vorbereitende Maßnahmen muß man alle Teile des Gerätes sorgfältig abwaschen und gut trocknen lassen. Der Regler wird wie bei der wöchentlichen Wartung gepflegt, die Gummierteile dünn mit Talkum eingerieben, auch etwas Talkum in die Atemschläuche geblasen, alle Teile lose zusammengebaut und so in der Kiste verpackt, daß die Atemschläuche ohne scharfe Knicke liegen. Auf die Kiste kommt die Aufschrift: "Geräte konserviert – nicht einsatzklar!"

Vor dem erneuten Einsatz wird die wöchentliche Wartung durchgeführt, das Gerät überprüft und vom Gerätewart zugelassen. Der Pflegeaufwand so gewarteter Tauchergeräte wird sich durch lange Lebensdauer und hohe Funktionstüchtigkeit unter allen Bedingungen immer bezahlt machen.

Die Sicherheit des Tauchers beim Unterwasseraufenthalt hängt in nicht unbeträchtlichem Maße von der Funktionssicherheit der Taucherausrüstung ab. Das Tauchergerät muß dabei so sicher arbeiten, daß er sich unter Wasser voll und ganz auf die Erfüllung seiner Aufgaben sowie Selbstkontrolle und Beobachtung seiner Kameraden konzentrieren kann, ohne durch ständige Sorge um die Funktionstüchtigkeit seiner Ausrüstung abgelenkt zu werden.

Literatur

- Atembremsen unter der Lupe, poseidon 2, 3/1970

- Arnold, Kurher, Lexikon für junge Taucher, poseidon ab 10/1970

- Bedienungsanleitung DTG Hydromat, VEB Medizintechnik Leipzig

- Ersatzteilliste für DTG 62 005, VEB Medizintechnik Leipzig


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Letzte Änderung: 02.01.2015