Port Galib von der Seeseite

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Vom 7. bis 14. November 2005 waren wir, meine Frau und ich, auf einer Tauchsafari mit der MY Ramadan Safage IV im südlichen Ägypten zum St. John's Reef unterwegs.                              Tourkarte

Die Reise wurde in Deutschland von der Aqua Active Agency Hambühren für etwa 1.250 Euro pP verkauft (Flug Dresden - München - Marsa Alam, Transfer, 6 Tage tauchen mit 3-4 TG pro Tag, Vollpension) und in Ägypten von Blue Wave Safari organisiert.
Von Seiten Aqua Active hat die Reisevorbereitung problemlos und mit vielen Zwischeninformationen geklappt.

Wir haben im Juni gebucht, und schon dort war es schwierig, noch Flüge Dresden-Marsa Alam zu bekommen. Ursprünglich wollten wir wegen des besseren Wetters Mitte Oktober fliegen, mussten es dann aber wegen dem Flug-Engpass bis Anfang November hinausschieben. Bucht also früher!

Einige aus unserer Boots-Gruppe mussten wegen des begrenzten Kontingents von Marsa Alam sogar den 4-stündigen Transfer von Hurghada in Kauf nehmen.
Der Flieger war wirklich voll!

Anreise

Alle Flüge erfolgten mit Condor, die 30 kg Tauchgepäck frei befördern. Lampen müssen im Handgepäck untergebracht werden, und der Akku ist auszubauen. Bei den Flügen gab es keine Probleme, lediglich wegen fehlender Passagiere oder Gepäck kam es zu kurzen Verzögerungen. Die Qualtät des Essens während des Fluges war meiner Meinung nach eine Zumutung, aber naja, nur Touristenvolk. Etwa vier Stunden brauchten wir für den Flug von München nach Marsa Alam.

Auf dem Flughafen von Marsa Alam wurden wir günstigerweise von Blue Wave Safari schon aus der Schlange gewinkt, mit dem Einreise-Visum versorgt (20 Euro) und dann am Ausgang zu Kleinbussen geführt, die uns zum nahe gelegenen Hafen brachten.
Dieser Flughafen Marsa Alam war sowas von angenehm gegenüber denen von Hurghada oder Sharm, wenig Gehetze und Gedrängle, schnelle Abfertigung, keine Belästigung durch 'Dienstleister'.
Airport Marsa Alam aus der Luft
Flughäfchen-Gebäude Marsa Alam Wir verladen uns für den Transfer
Der Transfer dauerte etwa nur 10 Minuten. Auf der Ramadan empfing uns Thorsten, unser Guide für die folgende Woche, und wir waren am Ziel eingeschlagen.

Den Hafen kannten wir schon von 2002, damals waren nur die Hafenbecken zu sehen, jetzt gab es immerhin einige rohbaufertige Häuser, an denen etwas halbherzig weitergebaut wird, und das interessant aussehende Hafenamt.

Wir mussten die Nacht im Hafen verbringen, da das Tanken erst am nächsten Morgen möglich war und auch die Ausfahrt aus dem Hafen nur zu bestimmten Zeiten erfolgen durfte.
Bootshafen Port Galib beim Anflug, Doppelklick für großes Bild!
Feriges Hafenamt mit gestrengem Hafenkapitän Alles ist im Bau
Die Freigabe für die Ausfahrt erfolgt erst nach Kontrolle durch den Hafenkapitän, was ein ziemlicher bürokratischer Akt zu sein scheint, zu dem z.B. Kopien unserer Reisepässe erforderlich waren (also welche mitnehmen!).
Einige aus unserer Gruppe hatten das Pech, dass ihr Gepäck nicht vollständig mitgeliefert worden war. Damit war das Tauchen für sie ziemlich gefährdet. Durch ein paar kleine Zukäufe an Bekleidung im einzigen schon intakten Hotel, dem Coral Beach, und die freundliche Bereitstellung von redundanter Ausrüstung durch andere Mitreisender ließ sich die Sache aber noch hinbiegen. Auf dem Boot gab es leider kein kleines Lager von Ausrüstung, mit dem man den Pechvögeln hätte helfen konnen.
Die stolze MY Ramadan Safaga IV
Das scheint mir nicht gerade kundenfreundlich, da man in dieser Situation ja keine Möglichkeit hat, notwendiges nachzukaufen, wie das an einem normalen Ort möglich wäre. Ein kleines Abkommen mit einer erreichbaren Tauchbasis wäre ja auch denkbar.
Na, am nächsten Morgen ging es jedenfalls pünktlich los, und wir dampften dem ersten Tauchplatz entgegen.
Dieser kleine Kahn war natürlich nicht unser Schiff, aber das Bild zeigt etwas die rauhe See.
Das Boot
Zur MY Ramadan Safaga IV wurde im TaucherNet schon viel geschrieben, was ich hier nicht alles wiederholen möchte. Die konzentrierten Mäkeleien dort sind sicher genauso wenig angebracht wie die übertriebenen Rechtfertigungen (... ja, aber bald geht's in's Dock!). Sicher ist das Tauchen dort herrlich für uns, die Ausnutzung dieser Sucht für die Gewinnmaximierung der Veranstalter scheint uns an einigen Randbedingungen auf dieser Tour aber schon recht deutlich.
Der herausragende Vorteil dieses Bootes ist auf jeden Fall seine Größe und seine kräftige Motorisierung. Dadurch liegt es bei starker frontaler Welle immer noch relativ ruhig und kann auch größere Strecken ausreichend schnell zurücklegen. Aber abgesehen von einigen Fehlkonstruktionen, mit denen man wohl leben muss, gibt es jede Menge Details, die man längst hätte korrigieren müssen, um nicht seine Gleichgültigkeit gegenüber der Kundschaft zu zeigen.
Kabine mit breiten Einzelbetten
Gewaltige Messe Gemütliches Promenadendeck

Gegenüber unseren vorherigen Bootsreisen stachen positiv heraus die Größe der Kabine, der Betten und der Messe.  Die Klimatisierung, Bordspannungs- und Getränkeversorgung funktionierten, Geräusche der Motoren und Kompressoren waren erträglich. Mit dem Geruch in der Kabine, dem Wassergeschmack beim Zähneputzen und dem morbiden Charm mancher Anlagen konnte man leben, wenn man darüber erhaben war ;-).
Der Käpt'n (rechts in karierter Hose) und seine Crew  hatten den Riesen-Kahn voll im Griff, die Manöver am Riff klappten ohne Zeitverlust. Die Jungs waren umsichtig immer da, wo man sie brauchte. Nur den Transport des sauschweren Gepäcks zum und vom Schiff fand wohl ihrer Ansicht nach außerhalb ihres Verantwortungsbereichs statt, versteh' ich ja.
Wenn Ihr mal sehen wollt, wie man früher die Riffs gefunden hat...

Essen als Sex des Alters ist natürlich von einiger Wichtigkeit für uns. Nach dem Morgen-Tauchgang (Wecken gegen 7.30 Uhr) gab's Frühstück. Durch Variation der Eierspeisen wurde versucht, der Eintönigkeit zu begegnen. Das Mittagessen gegen 13 und das Abendessen gegen 19 Uhr bestanden immer aus mehreren Gängen, wobei wahrscheinlch die eine Woche ausreichend war, um alle Rezepte des Kochs kennen zu lernen. Ich hab' immer was gefunden, was mich satt gemacht hat. Leider wurde sehr vorsichtig mit den herrlichen Gewürzen der arabischen Küche umgegangen, sicherlich wegen der stetig höhlenden Kritik nur Pfeffer und Salz erlaubender Gaumen aus dem fernen Deutschland in langen Erfahrungsjahren. Tja, und der fast noch zappelnde frische Fisch, wie ihn unser maledivischer Koch oft servierte, fehlte völlig; angeln verboten, hab' ich mal gehört.
Die fremdländische Flora und Fauna im Essen machten einigen tageweise zu schaffen. Da es aber nicht epidemisch um sich griff, scheint die Küchenhygiene befriedigend gewesen zu sein.

Die Navigatoren
Zum Abschiedsabend gab's 'ne selbstgemachte Torte
Kommet auf das Ihr gespeiset werdet!
Erfolgsentscheidend auf 'ner Bootssafarie, wo man unausweichlich mit fremden Menschen zusammenhockt, ist ja auch immer das zwischenmenschliche Klima, neudeutsch: die Chemie. Die hat bei den 24 Sportfreunden bei dieser Tour erfreulich gut gestimmt. Wir als Einzelpärchen wurden von den beiden großen Freundeskreisen, aus dem der Rest überwiegend bestand, problemlos eingemeindet und in den Urlaubsfrohsinn und die Fürsorge beim Tauchen einbezogen. Es gelang mir nur, ganz wenige Solotauchgänge zu machen ;-) Die Möglichkeit zum Kennenlernen fremder Lebenslinien (waren wir die einzigen Ossis?) ist für mich zu einem wichtigen Punkt auf solchen Touren geworden. Netter Nebeneffekt der Harmonie war auch, dass wir am Ende (fast) alle unsere reichlich geschossenen Digitalfotos zusammenschmissen und Norbert daraus eine DVD für jeden machte (danke an Nobse!).
Klar, wenn der Urlaub vorbei ist, geht jeder wieder seinen Geschäften nach, aber die Harmonie wirkt schon noch ein bisschen nach.

Das Tauchen
Deswegen waren wir ja alle gekommen, kein einziger Nichttaucher dabei. Bootstouren sind unbestritten das Beste, um maximal zu tauchen.
Wir tauchten absolut selbständig in Zweier- oder größeren Grüppchen, die sich zwanglos zusammenfanden. Orientierungsmäßig waren die TG alle sehr einfach. Entweder ging's vom Schiff weg zur Riffkante, dort nach Belieben oder Empfehlung linke oder rechte Schulter am Riff lang und ab 100bar wieder zurück. Oder ein Schlauchboot fuhr 6er-Grüppchen auf die Luv-Seite vom Riff, und wir paddelten gemütlich zum Schiff zurück. Einzige Unwägbarkeiten waren Strömungen, auf die man unterwegs hätte treffen können und das Wiederfinden unseres Schiffs, das sich meist mit vielen anderen auf der Lee-Seite zusammenkuschelte. Aber unser großer Pott mit seinem Ballastkasten unterm Heck war kaum zu verkennen und hatte noch dazu immer eine schöne blaue Leine liegen und im Dunkeln eine Blitzboje draußen.
Wem die Luft nicht für den Rückweg reichte, der ließ seine Boje hoch und sich vom Schlauchboot einsammeln. Das klappte mit der aufmerksamen Crew prima.
Nach dem TG gab's keinerlei Tiefenkontrollen oder dergleichen, was wir woanders schon lieben gelernt hatten :-(
Die alten Bootshasen wissen, wie's läuft, für die Neueinsteiger will ich mal den Ablauf schildern. Getaucht wurde vor dem Frühstück, 2 Stunden danach zum zweiten Mal, dann wieder 2h nach dem Mittagessen und oft auch noch im Dunkeln (ab 6 Uhr finster) vor dem Abendbrot. Man konnte also in 6 Tauchtagen etwa 20 Tg machen. Wer wollte (und bezahlte), konnte Nitrox nehmen, wobei die verbrauchbare O2-Menge feststand und man sich das einteilen musste.
Zu den gewohnten Zeiten wurde die Glocke geschlagen, alle strömten auf das bequeme Promenadendeck, wo Guide Thorsten anhand einer jedesmal neu erstellten Riffskizze den folgenden TG erläuterte und uns zu verantwortungsvollem Verhalten vergatterte (neudeutsch: Briefing).
Das tat er ausführlich, kenntnisreich und humorvoll, so dass wir uns gut informiert fühlten.
Danach ging's runter auf's Tauchdeck, wo die Flaschen mit anmontierter Ausrüstung in Halterungen standen und die Anzüge auf festen Bügeln im Wind hingen. In der Sitzbank hatte jeder sein Fach, um die restlichen Sachen unterzubringen. Platz zum Anziehen war genug, da alles für etwa die doppelte Taucheranzahl konzipiert war. Nach dem Anplünnen, bei dem die Crew auch bereitwillig zugriff, ging man einfach ein paar Schritte zum Heck auf die Plattform, versenkte sich oder stieg ins Schlauchboot. Was für eine Bequemlichkeit gegenüber Landtauchgängen oder gar einem Tauchausflug zu Hause!
Briefing - die 1-Mann-Show
Tauchdeck und Kompressoren
Es ging nicht immer so einfach, wie's hier aussieht! Zodiac ohne Gedränge
Bei der Rückkehr wurde einem sofort die Flasche aus dem Jacket gezogen und man fand eine neue in der Halterung am Platz vor (die Nitroxjünger etwas später). Vier Duschkabinen auf dem Tauchdeck boten genug Platz zum Entwässern und Entsalzen.
Die Qualität der Tauchgänge war meist beeindruckend, wir wären allerdings lieber länger im Süden geblieben und hätten dafür auf einige Unterwegsriffs verzichtet, ... man kann wohl nicht alles haben. Großfisch zeigte sich sehr selten, richtig tief waren wir auch kaum, aber sonst gab's wirklich schöne Fauna und Riffformationen. Besonders herausragend für mich, das Cave Reef und ein später Tauchgang, der zum Nachttauchgang ohne Lampe wurde.
Wind und damit Welle schränkten unsere Möglichkeiten wohl etwas ein. Manchmal schien mir die Vorsicht auch ein bisschen vorgeschoben, denn wir hatten überhaupt nichts auszustehen, weder starken Seegang noch störende Strömung. Aber ich will mir nichts anmaßen...
Die Wassertemperaturen variierten zwischen 22 (Norden) und 26°C (Süden), so dass wir zwischen Shorty mit und ohne 5mm-long-John wechselten.
Der stetige Wind zwang einen aber doch, wenn man nicht gerade im Windschatten und Sonnenschein lag, Pullover und Mütze zu tragen.

Ja, und zwischen den Tauchgängen --->

Hai, Hai, Hai!!!
Freizeit-Varianten

Resümee
Wir haben eine erholsame Woche verbracht, zu der das angenehme Klima zwischen den Tauchern und schon der stressfreie Betrieb auf dem neuen Flughafen Marsa Alam beitrugen. Auf ein paar Unzulänglichkeiten auf dem Boot hätten wir noch verzichten können, ...na ja.
Die Riffe im Süden lohnen mehrere Safaries. Man sollte aber etwas früher im Jahr antreten, wenn's noch nicht so windig und kühl ist, das nächste Mal also im September.
Außerdem muss man sich darüber im Klaren sein, dass Bootsfahrten in Ägypten, anders als auf den Malediven, in Kroatien oder Thailand, an nahezu unbewohnter Küste vorbeiführen. Es gibt also eine Woche lang keinen Hafen zum Anlegen, Spazierengehen, Shoppen, Koch wechseln, ... eine Woche nur Wasser und die gleichen Gesichter. ;-), dafür aber alle Zeit für's Tauchen.

Der Abschied kommt schneller als erwartet!
p.s.: Meinungen (auch konträre) oder Ergänzungen von Mitfahrern werde ich gern hier dranhängen!
zurück zu Reisen Letzte Änderung: 09.07.2014