Altes Tauchen -> Reisen --> Malediven 2012 - Zweite Bootstour mit der Cobia Flagge der Malediven

Route des Bootes

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(für Nicht-GE-Liebhaber) (GE muss installiert sein) Reiseberichte 2010 und 2011

Male-Panorama

Wer zum dritten Mal die (fast) gleiche Reise tut, kann zwar wieder was erzählen, aber die Sichtweise ist doch ein bisschen anders. Was den Neuling positiv oder negativ erregt, nimmt man gelassener, weil man einfach weiß, dass der Grundgenuss gleich sein wird. Und so war es auch wirklich wieder, das Boot, die Gegend, das Tauchen und die Stimmung an Bord haben die Akkus für ein paar Monate aufgeladen.


DSC_0045.jpg (890138 Byte)Vorbereitung und Flug
Das Buchen von Boot und Flug für die zwei Wochen flutschte wie gewohnt, und ich wollte mich entspannt der Vorfreude hingeben. Diesmal sollte es Ende Januar von Dresden nach Düsseldorf und dann im Direktflug nach Male gehen. Die 12h Aufenthalt in Düsseldorf muteten für ein Flugangebot von Air Berlin zwar etwas seltsam an, aber ich entdeckte, dass die Messe BOOT ihre Tore offen hatte und fasste die Gelegenheit mal wieder beim Schopfe.
Die Service-Wüste Deutschland hatte aber noch ein Aufregerchen für mich bereit. AB verschob die An- und Abflugzeiten für meinen Rückflug freizügig so, dass mir in Dü'dorf nur 0 min zum Umsteigen blieben (stand wirklich so im Flugplan). Die Computer bei edreams und AB schienen das für normal zu halten, sie korrigierten nichts. Emails wurden nicht oder nur mit nichtssagenden Textbausteinen beantwortet. Mehrfache Anrufe bei den Hotlines von edreams und AB (Spitze waren 35 min Wartemelodie) waren ähnlich wirkungsvoll, man wolle das weitergeben und sich ganz bestimmt morgen wieder melden. Bis zum Morgen des Abflugs geschah jedenfalls nichts. Ich sah die Sache gelassen und hätte mich zur Not bei AB auf dem Tresen zur Ruhe gebettet, es war ja der Rückflug ;-). Meine Frau wollte das aber nicht riskieren, sie kennt ihren nordischen Dickhäuter,  und schleppte mich beim Abflug an den AB-Schalter. Und siehe da, da saß ein kompetentes Persönchen, die so früh am Morgen von Bahn, über Mietwagen und Fremdflug alles checkte und mir schließlich einen Rückflug mit Lufthansa besorgte, der mir eine Stunde Zeit zum Umsteigen ließ. Ich war perplex.
Was ist dieser ganze hightechnisierte und offensichtlich kundenverachtende Apparat wert gegen eine engagierte verständige Mitarbeiterin?
Ich bin ja bestimmt ein Computerfreak, aber hoffentlich wird sie nicht auch noch durch so einem Blechkameraden ersetzt.

Der Rest der Reise war problemlos, der dank AB eingeschobene Besuch der BOOT hatte mich genügend frustriert und ermüdet, dass ich die 14h Flug mühelos verschlief. Air Berlin überraschte mich mit gutem Service und Essen, es gab sogar Wein zum Essen und Kognak zum Nachtisch!
Damit will man doch nicht etwa mehr Fluggäste anlocken, denn das große Teil war so leer, dass man über mehrere Sitze schlafen konnte.
Und als ich Adriano zum Abholen in Male stehen sah, war sowieso alle Mühsal vergessen.


Das Hinterteil der Lady Cobia 2011 Impressionen von der Bootstour

Die Jungs hatten das Jahr über gute Arbeit geleistet und die kleine, feine Cobia weiter optimiert. Der Aufgang zum Sonnendeck am Heck wurde zur Seite verlegt und dort ein Essplatz für alle eingerichtet. Bis auf einen Schlechtwettertag haben wir da die Mahlzeiten in frischer Luft eingenommen und die große Kabine praktisch nicht benutzt, sehr angenehm.
Heck 2011

Heck 2012

Sitzplatz 2011

Jede Menge geangelter FischAls nächstes sollen die Schlafkabinen noch etwas aufgemotzt und mehr Ablagemöglichkeiten geschaffen werden. Na gut, meine zwei T-Shirts hatten auch so Platz ;-) Ansonsten, the same procedure as every year ...


Nein, eines war doch anders, wir hatten diesmal zwei Angler/Schnorchler mit an Bord, die uns gemeinsam mit einem Besatzungsmitglied ständig mit Frischfisch versorgten, fangfrischer Fisch, mmmh.
Um die Schnorchler hat man sich übrigens auch sehr gut gekümmert. Wenn wir tauchen waren, waren sie meist auch in Begleitung am Riff unterwegs und haben viel gesehen.

Alles frisch auf den Tisch


Und das Barbecue im Dunklen auf sandiger Insel haben wir uns diesmal wegen allgemeiner Unlust geschenkt, ich hab's nicht vermisst.
Sonnenuntergänge hatten wir auch vom Boot aus in voller Schönheit.
Dem Barbecue bin ich also entkommen, bei einem anderen obligatorischen Highlight ist es (noch) nicht gelungen, dem Whale-Shark-Watching. Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich würde es sehr schätzen, beim Tauchen einem Walhai zu begegnen, der friedlich seine Bahn zieht und mich einen Moment als Begleiter zulässt, so, wie wir diesmal ganz unerwartet diese schönen großen Büffelköpfe, oder wie die heißen, gesehen haben, die uns alle beeindruckten. Aber dieses Theater, wenn vier, fünf Boote sich auf den Walhai stürzen, ihre Schnorchler über ihm entleeren, die dann um die Wette strampeln, nee, dat mut nich sind. Mais, chacun a son gout  oder Jedem sein Jagdfieber ;-)
BüffelköpfeA propos Büffelköpfe, wir waren nach dem Abtauchen gleich losgestrampelt, ohne Adrianos Richtungskompetenz wirken zu lassen und hatten so den geplanten Kanal verpasst. Adriano ließ uns augenrollend weiterpaddeln, einen mäßig interessanten Abschnitt entlang. Aber kurz vor dem Auftauchen sahen wir sie, eine kleine Gruppe dieser großen büffelköpfigen Teile. Für mich war das fast ein Erlebnis wie die Mantaschulen, und so zufällig und gegen die Regel wie manches Schöne im Leben.


Jetzt fallen mir doch immer mehr Dinge ein, die diesmal anders waren.
Das dem Touri so sanft und freundlich erscheinende Volk der (scheinbar immer islamistischer werdenden) Malediver hatte diesmal was gegen seinen westlich orientierten Präsidenten (Umsatzsteuer, Belastungen durch den Umweltschutz, Nachhaltigkeit,...), oder waren's doch nur die herrschenden mondialen Kreise, die ihre Pfründe beschnitten sahen und deshalb ihre Wadenbeißer losschickten? Jedenfalls empörten sich Polizei oder Armee oder beide gegen ihr Oberhaupt und setzten ihn in Hausarrest. Scheinbar kam niemand zu Schaden, und wir hörten es sowieso nur über Nachrichten von zu Hause. Als wir am letzten Tag wie gewohnt durch Male schlenderten, waren jedenfalls nur ein paar kleine Straßensperren und Pickups mit Lautsprechern zu sehen, die zur Demo auf einem abgelegenen Platz aufriefen. Schutzmacht und internationale Geldgeber für den Tourismus werden's schon richten...
Wie weit reicht der arabische Frühling?
Ach ja, schon bemerkbar im vorigen Jahr und diesmal noch stärker, der Islam ist im äußeren Erscheinungsbild auf den Einheimischen-Inseln sehr im Vormarsch. Das modernste und sauberste Gebäude jeder bewohnten Insel ist die Moschee mit zu entsprechenden Zeiten aktivem Muezzin, neben dem auch neu errichteten Handy-Antennen-Turm. Die meisten einheimischen Frauen sind verschleiert, und selbst die Mädchen tragen dunkle körperdeckende Bekleidung, wozu aber auch das Handy in der Hand zu gehören scheint ;-)


Komplett unverständlich für den unvorbereiteten Touristen ist, dass die Servicearbeiten auf dem Boot (bzw. auch auf den Hotelinseln) und die schweren Arbeiten auf dem Bau usw. nicht von Maledivern, die in der Masse auch nicht gerade in Reichtum leben, sondern von Gastarbeitern aus den Nachbarländern ausgeführt werden. Auch die überwiegende Zahl unserer Jungs auf dem Boot und dem Dhoni kam aus Bangladesh, Pakistan, Nepal,... Als wir ein sprachliches Problem in Dhivehi klären wollten, musste erst ein Einheimischer unter der Besatzung gesucht werden... Unser Reisechef meinte auch, dass er lieber mit solchen Gastarbeitern arbeiten würde, sie seien zuverlässiger, gutmütiger, fleißiger,... als die Einheimischen. Und wenn sie die Mehrheit auf dem Boot stellen würden, gäbe es auch keine Probleme mit den verbliebenen Maledivern. So what...
Wir auf's Tauchen und Erholung eingestellten Euros nahmen jedenfalls den guten Service und die Freundlichkeit dabei mit Freude hin. Besonders Hans, sein Bruder und Willi wurde jedenfalls von ihrem Dhoni-Jungen so verwöhnt und betuttelt, dass wir uns schon manchmal belustigte Blicke zuwarfen. Er half allen aber mit soviel Umsicht, mit Verschmitztheit und ohne Unterwürfigkeit, dass es einfach nur angenehm war und gerne angenommen wurde.


Typisches Ressort mit Pfahlbauten
Auch schon letztes Jahr bemerkt und diesmal noch deutlicher, die Hotelressorts bauen immer weiter über's Waser aus und werden immer luxuriöser, die Tauchboote werden auch immer größer und anspruchsvoller. Solche kleinen Boote wie die Cobia oder die Hammerhead sieht man immer seltener. Uns sind dreistöckige Touriboote begegnet mit Balkons vor den Kabinen wie auf Kreuzfahrtschiffen. Und wir sind großen Schnorcheltrupps begegnet, die mit Westen und Wegwerfkameras versehen über den Riffs abgekippt wurden und sich wild strampelnd und Fun habend durch die Korallen wühlten. Die Klimaveränderung scheint nicht das einzige Problem auch dieser Region zu sein.

Dass so kleine und individuelle Unternehmungen wie unseres sich in der aufstrebenden internationalen Geschäftswelt dort nicht gerade allgemeiner Beliebtheit erfreuen, hatten wir schon aus Adrianos Erzählungen von unfreundlichen Vertreibungen aus großen Ressorts erfahren, wo man mal ein Bier trinken wollte. Schon zum Ende der Tour lagen wir abends vor Eleidoo und einige Unentwegte waren noch mit dem Dhoni zu einem Nachttauchgang am dortigen Hausriff unterwegs. Plötzlich kam ein Dhoni vom Ressort herüber zur Cobia und ein ösi-deutschelnder Mensch, der sich als Ressortleiter bezeichnete, beschwerte sich über unser "stinkendes Dhoni", das seine VIP-Gäste verstören würde und gefälligst verschwinden solle. Willi hat ihm bayrisch geantwortet, was, habe ich nicht verstanden.


Das Dhoni ist gerade noch zu sehen. Bisher war ich eigentlich immer schönes Wetter gewöhnt, strahlender Sonnenschein bis dünn bedeckt bei angenehmer Wärme, ab und zu ein bisschen Wind.
Aber diesmal hat uns ein kleiner Tropensturm erwischt. Es war schon beim Abtauchen etwas gräulich, aber beim Auftauchen war Waschküche, durch die uns das Dhoni gerade noch so entdeckte. Es goss wie aus Kübeln, und der Wind war ziemlich kalt. Die Cobia hatte ihren Liegeplatz verlassen und war verschwunden.
frierend auf rauer See ;-)
Als sie schließlich auftauchte, konnten wir wegen des Windes nicht mit dem Dhoni anlegen, um überzusteigen. Das kleine Dinghi brachte uns schließlich portionsweise rüber, lieber wäre ich geschwommen ;-). Diesmal aßen wir in der Kabine, den Teller musste man sowieso in der Hand behalten. Sowas muss man aber auch mal dort erlebt haben, um nicht zu unvorsichtig zu werden. Einer aus unserer Truppe war vor Jahren bei solchem Wetter abgetrieben...

Mit 2-Schlauchregler unterwegs Last but not least, für mich ist es ein Hauptspaß, auf solchen Reisen mit alten 2-Schlauchreglern zu tauchen, die alle modernen Anforderungen erfüllen. Diesmal waren es ein selbstumgebauter amerikanischer Voit Trieste und ein spanischer  Nemrod Snark III, die treulich je eine Woche ihren Dienst versahen. Mittaucher und Dhoni-Jungs kannten das schon vom Vorjahr. Zweischlauchregler Voit Trieste hybrid (Eigenbau) Zweischlauchregler Nemrod Snark III

Ok, dann werde ich mit meinem Stückwerk mal Schluss machen. Ich würde mich freuen, wenn andere Mitfahrer ihre Eindrücke hier mit einstellen würden.


Altes Tauchen -> Reisen --> Malediven 2012

Letzte Änderung: 20.05.2014