altes.tauchen -> Technik --> Außergewöhnliche Reglerkonzepte

Delfin II, Dräger (1953) Dial-a-breath, Dacor (1959) Die Eiförmigen Explorer, Pirelli (1962)
Porpoise
Mikroregler (1975) ---> Alizé, Spirotechnique Micronic, Piel Air1, ScubaPro
Kleinregler   ---> Super Pro, Rose Aviation MarkII, Demone Spinnaker, GSD

Um etwas außergewöhnlich nennen zu können, muss erstmal das Gewöhnliche definiert werden:
Wie das (meist) so ist, das technische Konzept, was ökonomisch stimmt, optimal und zuverlässig funktioniert, leicht zu handhaben ist, gut beworben oder von einer starken Lobby gepusht wird, setzt sich in einem bestimmten Technikgebiet durch.
Daneben gibt es aber fast immer die vom Trend abweichenden Lösungen, sei es, um Patente zu umgehen, Verbesserungen zu erzielen, besonders innovativ sein zu wollen oder einfach, um Aufmerksamkeit zu erregen.
CG45 im Querschnitt So bestimmte der erste markttaugliche Atemregler für das autonome Schwimmtauchen, der 1945 eingeführte, kompakte, zweistufige CG45 von La Spirotechnique über Jahrzehnte ziemlich dominant die technische Entwicklung auf diesem Gebiet. Er war technologisch durchgestylter als die Bastellösung von Commeinhes, wurde von der kapitalkräftigen Air Liquide, die hinter La Spirotechnique stand, durchgesetzt CG45
Draeger-Regler - Plagiat des CG45 und hatte nicht zuletzt so einen Promotor wie Cousteau und seine Truppe hinter sich.

Der zweite Wurf aus diesem Nest, der kompakte einstufige Mistral, war gar noch stärker und prägender. Fast alle Regler von 1940 bis 1980 hatten die große Topfmembran, das Entenschnabel-Ausatemventil, das Mundstück mit Flatterventilen, die einfache eine Stufe des Mistral oder aber die dicht beieinander liegenden erste und zweite Stufe des CG45, hier z.B. der PA61/II oder der Duomat von Dräger.

draeger-duomat1.jpg (32505 Byte)
MEDI-Hydromat - Ventile wie der CG45 Selbst auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs sahen die Konzepte genauso aus, hier der sehr verbreitete Hydromat aus dem Kombinat MLW der DDR.
Es gibt geradezu frappierende Ähnlichkeiten zum CG45, nur das Gehäuse war nicht aus dem leicht zu bearbeitenden aber im RGW schwer zu beschaffenden Messing, sondern aus Edelstahl, den wir sehr gut konnten.
MEDI Hydromat - auch das typische Aussehen des CG45

SeitenanfangVor allem durch die Lizenznahme von La Spirotechnique (damit war man auf der sicheren Seite) verbreitete sich der oben schon genannte sehr einfache einstufige Mistral weltweit und hielt sich verblüffend lange (bis in die 1980er Jahre)..

Der verblüffend einfache Mistral von innen Mistral von Siebe-Gorman SURVIVAIR von US Divers voit-lung2.jpg (58994 Byte)

Originaler Mistral von
La Spirotechnique

Mistral von Siebe-Gorman
(Großbritannien)

Survivair von US Divers,
sehr ähnlich Mistral

Voit-Lung (USA),
ebenfalls ein fast lupenreiner Mistral,
und so gab es noch viele.

Neben den vielen den Konzepten von Mistral und CG45 folgenden Reglern gab es aber auch die in Details oder komplett anderen Konzepte:


Draeger-Delfin II Die sparsamen Deutschen (Dräger) ließen einfach einen Faltenschlauch weg und bauten ab 1953 den Delfin II, ein im Sporttauchbereich in den 60ern breit eingesetztes Teil.
Ein- und Ausatmung erfolgten in Pendelatmung durch den gemeinsamen ungeteilten Schlauch, man zog also erstmal 1/2 l verbrauchte Luft, bevor frische kam.
Vorsichtshalber war die Tauchtiefe allerdings auf 13 m beschränkt, wobei der Grund dafür nicht so recht klar ist.
Dräger Delfin von unten

Membranen des Diving Lung R4, dem Nachfolger des Dial-a-BreathDial-a-Breath R4, auch Dial-a-Death genannt ;-), war ein sehr aufwändiger Regler von Dacor (USA).
Er hat zwei übereinanderliegende Steuermembranen, die einen besonders weichen Luftstrom-Einsatz ermöglichen sollten. Der Ausatemraum liegt zwischen den beiden Membranen. In die äußere ist ein Flatterventil als Ausatemventil eingesetzt.
Die namensgebende Komponente war aber ein hier ab 1959 erstmalig eingesetzter Steller für das Wirken einer Drosselklappe, mit der man Regleransprechen und Atemwiderstand beeinflussen kann. Der Name Dial-a-Breath wurde dann für solche Steller an Reglern auch anderer Hersteller beibehalten (D.A.B. knob).
.

Vorgängermuster, Klick für Ex-Zeichnung des R4

Diving Lung mit dial-a-breath, Querschnitt, Klick für Vergrößerung!


SeitenanfangRegler-Eier - Kompaktregler müssen nicht immer runde Töpfe sein!

Loosco Egg

Norseman Egg
Es geht auch eiförmig, wie verschiedene Hersteller wie Loosco, Norseman (und Viking) erfolgreich zeigten. Motivation war wohl die Miniaturisierung auch bei Kompaktreglern. Die erste Stufe war relativ konventionell, die zweite wurde durch eine querliegende, relativ kleine Membran mit hoher Hebel-Übersetzung gesteuert (siehe Schema hinter dem rechten Bild).
Aber ähnlich wie die Mikroregler bei den Einschläuchern war die Technik wohl zu kompliziert und empfindlich, um sich breit durchzusetzen. Die Eier blieben eine seitliche Arabeske auf dem Markt und verwschwanden schnell wieder.
Für Sammler sind sie heute natürlich sehr interessant. Aber unsereiner, der damit auch tauchen möchte, wird das kaum tun können, weil es keien Ersatzteile mehr gibt.

Viking Egg 1959, Klick zeigt Schema


RAN-Modell des Porpoise, Bild von Stephen Taylor SeitenanfangPorpoise - der erste Einschläucher

Tja, und dann ließ sich schon 1952 ein begnadeter Ingenieur in Australien, Ted (Edward Francis) Eldred (1920-2005), ein von den gängigen Kompaktreglern sehr abweichendes Konzept einfallen, was diesen nach etwa 20 Jahren auch wirklich fast komplett vom Markt verdrängte. Es sollte unbedingt das CG-Patent umgangen werden, um in Australien unabhängig produzieren zu können und bessere Leistung als der Mistral/Aqualung zu erzielen.
Eldred trennte in seinem Porpoise (dt. Narwal) die beiden Stufen des zweistufigen Reglers räumlich voneinander und brachte die den Enddruck bestimmende zweite Stufe direkt vor den Mund. Endlich verringerte sich die Lageabhängigkeit des Atemwiderstandes deutlich. Allerdings hatte man das Geblubber der Ausatemluft vor den Augen.
AquilonAber die voluminösen Faltenschläuche konnten durch einen dünnen, nicht aufschwimmenden Mitteldruckschlauch ersetzt werden, und die Reglerkomponenten wurden kleiner und angenehmer zu tragen oder? Der Porpoise wurde in verschiedenen Modellen gebaut, für die Marine und das Sporttauchen. Etwa 12.000 solche Regler sollen hergestellt worden sein. Air Liquide kaufte 1960 schließlich die Firma aus, um die Produkte von La Spirotechnique in Australien absetzen zu können.
Welweit kam der Siegeszug dieser Erfindung des Einschlauchautomaten allerdings sehr langsam in Schwung. Erst als der Marktführer für Tauchregler La Spirotechnique den Einschlauchregler nochmal ''nacherfand'' , den Aquilon (Patent 1955 durch Jean Louis Bronnec & Raymon Maurice Gauthier, ein internationales Patent auf den Porpoise gab es nie!), setzte sich das Prinzip ab 1960 auch in Europa und dann in den USA durch.

altes.tauchen -> Technik --> Ungewöhnliche Reglerkonzepte letzte Änderung: 02.11.2014 Seitenanfang