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Schon in den 1970er Jahren geisterte die Mär von einem legendären einstufigen Regler aus der CSSR durch Taucherkreise in der DDR. Er sollte sich besser atmen als seine westlichen Brüder Royal Mistral oder Dräger Monomat. Damals konnten wir nicht mehr erfahren, denn die tschechischen Freunde wussten auch nicht viel mehr oder hielten dicht.
Heute weiß ich, dass es sich um den Regler Saturn handelte, den Josef Voríšek (1923-2012) am Institut für Festkörperphysik CSAV in Prag zwischen 1960 und 1969 entwickelt hat (Mitarbeiter Miroslav Kdér, Francis Hajek, Francis Step, Josef Mandl). Bevor man sich auf die relativ einfache Form dieses Reglers festlegte, hatte man viele verschiedene Prinzipien und Konstruktionen realisiert und getestet. Der Regler sollte einfach sein nach dem Vorbild des Mistral und sich so leicht atmen wie dieser, dessen Nachteile wie den kurzzeitig hohen Einatemwiderstand am Beginn eines Atemzuges und die Gefahr des Nachschiebens des Injektors am Ende eines tiefen Atemzuges aber vermeiden.
1967 baute man erste Muster des Saturn für den Einsatz bei der Feuerwehr, und 1969 wurde eine Version für Taucher in Produktion gebracht. Die Herstellung erfolgte 1970 im MH Libcice nad Vltavou (VEB Libschitz/Moldau), man baute aber nur etwa 55 Stück (Deckelprägung: CSR Libcice nad Vltavou).
Danach wurde die Produktion zu MEVA in Roudnice nad Labem (Raudnitz/Elbe) verlagert, aber nur noch die Atemgeräte-Version hergestellt (um 10.000 Stück), die auch heute (2014) noch im Einsatz ist (Deckelprägung: Roudnice nad Labem).

Klick vergrößert!1997 gab es von MEVA nochmal eine kleine Probe-Auflage von fünf ?  Tauchreglern Saturn mit der Deckelprägung "SATURN MEVA MADE IN CZECH REPUBLIC". Aber da man die am Einschlauchregler orientierten Zertifizierungen für das CE-Zeichen nicht erreichen konnte, ging es damit nicht weiter.

Quellen für die obigen Infos:
Bericht von Peter Katz u.a. und Website Dusan Surani
Warum ausgerechnet der Name Saturn für den Regler gewählt wurde, weiß ich nicht. Ende der 1970er Jahre lief gerade das Pioneer-Programm der USA zur Erforschung des Saturn (1968 Pioneer 9). Ob's das war in der sozialistischen CSSR? Saturn
1966?

Aus den obigen Zahlen kann man sich schon vorstellen, dass der Tauchregler Saturn ein begehrtes Sammlerobjet ist. Jeder engagierte Sammler hat einen, und für solche wie mich, die keine Vitrine füllen, sondern mit dem Teil tauchen wollen, ist keiner übrig. Aber da sind ja noch die trockenen Exemplare für die Atemtechnik bei der Feuerwehr usw., die in viel größerer Stückzahl produziert wurden. So einer ließ sich bei einem tschechischen Freund auftreiben. Er unterscheidet sich praktisch nur durch das fehlende Ausatemventil (ist am Mundstück) im Regler und die dadurch flachere Oberschale von seinem Tauchpartner.
SeitenanfangMein Regler war frisch revisioniert ins Regal gelegt worden und war bei mir sofort einsatzfähig.

Die beiden folgenden Fotos sind von Dusan Surani, da ich den Regler noch garnicht so weit auseinander genommen habe.

(Klick vergrößert) Bis auf die beiden linken Hebel sind die Teile des einstufugen Reglers sehr ähnlich zu denen des Royal Mistral. aber dann beginnt der Trick! Das Abrollen des oberen Hebels auf dem unteren nach einer wohlberechneten Kurve steuert die Injektorwirkung in Abhängigkeit von der Membranstellung. Und das führt zu einem unmerkbaren Einsatz der Injektorwirkung, zu einer starken Wirkung im Maximum des Atemzuges und zum sicheren Stopp des Injektors am Ende.
Die Teile der HD-Stufe entsprechen denen des Mistral.
Ein netter Zusatz bei meinem Regler ist noch eine Trillerpfeife, die bei niedrigem Flaschendruck bei jedem Atemzug pfeift. Mal sehen, ob das das Fini ersetzen kann.

Die Aufgabe bestand also darin, den trockenen Regler mit einem Anschluss- Stutzen für einen Ausatemschlauch und ein Ausatemventil auszustatten. Eigentlich kein großes Problem, aber der sparsame Produzent hatte die Oberschale des Atemschutz-Reglers nur so hoch wie nötig ausgeführt, so dass kein Platz für ein Ausatemventil war. Der Deckel musste also angehoben und dann ein Ventil darin untergebracht werden.
Saturn in der Tauchausführung Saturn als Atemregler ohne Ausatemventil
Ich habe also von der zu flachen Oberschale des Saturn die Deckplatte mit der schönen Prägung abgedreht. Zwischen die beiden Teile kommt eine 10-mm-starke Kunststoff-Platte, in die dann das Ausatemventil eingearbeitet wird. In die Platte habe ich Nuten eingefräst, in die die Schale und der Deckel passen. SeitenanfangDie 3 Teile werden mit Epoxidharz verklebt. An der Platte wird außen der Schlauchstutzen befestigt.
Aus der zwischengelegten Platte wird das Ausatemventil ausgefräst. Es entspricht den Maßen des duckbill eliminators von VDH. Der Schlauchstutzen wird aus drei 10-mm-Platten zusammengeklebt und mit Hilfe einer M6-Schraube als Dorn rundgedreht.  In den runden Stutzen wird ein Gewindering aus Messing eingeklebt, auf dem dann der eigentliche Schlauchstutzen mit der Überwurfmutter und dem Dichtring (wie beim MEDI) befestigt werden kann.
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Der Schlauchstutzen wird mit dem Ring verschraubt und verklebt. Und so sieht dann der gebrauchsfertige Tauchregler von oben ... ... und von der Seite aus.
Die Überwurfmuttern sind ebenfalls aus Messing. Vielleicht wird alles mal verchromt.

Das originale (Tauch)mundstück (Bild D. Surani)) und Schläuche für den Saturn sind ebenfalls schwer beschaffbar. Ich habe auf den Nachbau verzichtet, da sie keine Besonderheiten aufweisen, und verwende mein universelles Schlauch-Set vom Royal Mistral, was hier auch passt, wenn man, ähnlich wie beim Hydromaten nötig, den Ausatemstutzen nach Backbord und den Einatemstutzen nach Steuerbord verlegt. Da ich den Deckel mit der Prägung sowieso neu ausrichten musste, erhielt er gleich die dafür richtige Lage.

Der Saturn hat leider keinen Anschluss für ein HD-Manometer (dafür eine einstellbare Signalpfeife zum Warnen) und naturgemäß als einstufiger Regler keine Mitteldruck-Anschlüsse.
Ich werde ihn also mit einem kleinen Zweitregler über ein T-Stück bzw. an einer Brücke mit zwei Abgängen betreiben.
Für einen HD-Abgang hatten sich die tschechischen Freunde schon etwas ausgedacht, siehe Bild. Das gefällt mir aber nicht besonders, da damit der Anschlussstutzen noch länger wird.

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Letzte Änderung: 09.11.14

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