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.Heinke/Siebe&Gorman Merlin Mk VI

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Expl.zeichnung Mk VI Handbuch MK VI engl. Querschnitt Mk VI Merlin heute

Ich bin immer auf der Suche nach Kompaktreglern, die unter heutigen Einsatzbedingungen ohne zu große Klimmzüge genutzt werden können.
Bisher bin ich da ganz zufrieden mit dem Nemrod Snark III   und dem Royal Mistral.

Das habe ich geschrieben, als ich den Voit Trieste aufgebaut habe, dem dann noch die Modernisierung des MEDI Hydromaten folgte.
Die Regler von Heinke/Siebe Gorman hatte ich in diesem Sinne bisher noch nicht betrachtet. Aber die Merlin-Familie (Mk III bis Mk VI) von diesem Hersteller hat alle Voraussetzungen für den modernen Einsatz; HD- und MD-Port sind vorhanden und sogar noch die Möglichkeit einer Reserve-Schaltung, die man aber nicht installieren muss (Blindstopfen).

Weil's mich also interessierte, habe ich 01/2012 so ein Teil über e...y aus GB erworben, ziemlich teuer (220 Euro), aber es wird auch relativ selten angeboten und war komplett mit Oktopus und Finimeter (Bild rechts).
Bei e...y erworbener Merlin Mk VI mit APEKS-Oktopus und Mistral-Mundstück und Schläuchen
Schläuche und Mundstück (Oktopus sowieso nicht) waren nicht original, aber mich interessiert sowieso nur der Regler, bin ja kein Sammler ;-).
Venturi Jet, wohl der erste in der Merlin-Dynastie Heinke Merlin, schon sehr nahe am Mk VI Merlin Mk VI
Mk III/IV Venturi Jet Merlin Mk V ? Merlin Mk VI

 
Logo HeinkeSchild Siebe GormanHeinke wurde schon im 19. Jahrhundert zur Herstellung von Helmtauchausrüstungen in England gegründet und entwickelte später auch Zweischlauchautomaten.
1961 (siehe Katalog 1963) wurde das Unternehmen von Siebe Gorman aufgekauft, ebenfalls ein traditionsreicher Hersteller von schwerer Tauchtechnik, die vorher Zweischlauchregler in Lizenz von La Spirotechnique (Mistral) gebaut hatten und dann die Heinke-Regler weiterproduzierten.
Siebe Mk I Horn Zumindest die letzten der sechs Typen Mark I...VI gab es also als Heinke Merlin, dann als Siebe Heinke Merlin und schließlich als Siebe Gorman Merlin. Die ersten Mk I/II von Heinke waren die sogenannten Horn-Modelle (Mk1 - blau mit grünen Schläuchen), so genannt wegen der seltsam geformten Ausatemstutzen, die sein mussten, um das französische CG45-Patent zu umgehen. Die Modelle MK I und II bzw. III und IV unterschieden sich jeweils durch einen HP-Bypass, mit dem man das Sytem von Wasser leerblasen konnte (besonders wichtig, solange das Mundstück noch keine Einweg-Ventile hatte.
Ein besonderes Aussehen hatte der Mk I, dessen Ausatemventil in Form von zwei abstehenden Hörnern mit Flatterventilen gestaltet war, um das Cousteau-Patent zum Entenschnabel nicht zu verletzen.
SeitenanfangDer Mk III oben zeigt das typische v-förmige Heinke-Mundstück, mit dem man einen kleineren auszublasenden Raum im Mundstück erreichen wollte. Man kann es aber durch gerade Mundstücke ersetzen, genauso die Schläuche mit 25 mm Durchmesser an den Enden.

Ein Siebe Mk I Horn in bekannter fester Hand ;-)


Merlin MK VI von unten mit allen Ports

Der Merlin Mk VI ist ein äußerst robuster Regler mit seinem gegossenen Bronze-Gehäuse (Erfahrungen aus der Tauchhelm-Fertigung, > 60 % Cu, Rest Sn u.a., kein Zn wie bei Messing) und der Hartgummi-Oberschale. Das Gehäuse ist verchromt (oder doch vernickelt?) und bei frühen Modellen mit schwarzem Schrumpflack geschützt. Ungewöhnlich ist vor allem, dass die Unterschale auch von dem Vollbronze-Gehäuse gebildet wird. Das macht den Regler ziemlich schwer, was aber am PTG nicht stört. Man nimmt einfach weniger Blei. Unterschale MK6, Klick vergrößert
Der MD-Port (oben links mit Blindstopfen auf 7 Uhr) war für den Schlauchanschluss der Oberflächenversorgung (Narghile, hookah) vorgesehen. In den ev. vorhandenen Blindstopfen könnte man ein UNF 3/8" schneiden, um heute übliche MD-Schläuche anschließen zu können. Bei meinem hatte schon jemand einen Zweifach-MD-Verteiler eingeschraubt, an den sich Octopus und Inflator anschließen lassen.

Der HD-Port für ein Finimeter (oben links auf 4 Uhr, auch mit Blindverschraubung) hat leider ein spezielles Gewinde (British HP metal to metal port), dass man später auf 7/16" adaptieren könnte. Solange tut's das originale Finimeter von Heinke vielleicht noch.

Den Port für die Reserveschaltung (oben links mit rotem Faden für die Auslösung) kann man auch mit einem Blindstutzen einfach verschließen. Dann ließe sich hier auch ein 7/16"-Stutzen für den Fini-Anschluss zusätzlich anbringen.
Heinke hatte statt der Reserve hier noch einen Bypass zur Luftspülung von Regler und Schläuchen vorgesehen.

Der INT-Anschluss ist drehbar und lässt so alle Freiheiten für die Konfigurierung. Im Gegensatz zu den französischen passt der Durchmesser des INT auf die heute üblichen Ventile und Adapter.
Die Schenkel des Bügels gehen zur Schraube hin allerdings etwas eng zusammen, so dass nicht alle INT-Ventilkörper durchpassen.

Oberschale aus Hartgummi und MembranMk6 demontiert, sehr wenige Teile

SeitenanfangDie Schlauchstutzen sind mit Federn als Knickschutz versehen. 25-mm-Faltenschläuche passen perfekt.

HD-Membran und Ausatemventil (kurzer Entenschnabel) waren bei meinem Stück verrottet, ließen sich aber problemlos mit Standardteilen ersetzen. Die Lösung für den Entenschnabel mit der Rohrdurchführung finde ich sehr montagefreundlich.
Merlin Unterschale innen Die Hauptmembran aus Gummi war glücklicherweise in Ordnung, könnte aber auch durch die noch verfügbaren USD-Silikon-Nachbauten für den Mistral ersetzt werden. Dazu müsste man allerdings mit einem Locheisen Halblöcher in den Membranring knipsen. Besser ginge das wahrscheinlich noch mit einer originalen Mistral-Membran, weil deren Rand flacher als der des USD-Typs ist.
Jürgen H. (HTG-Mitglied) hat allerdings bei einem solchen Austausch gegen eine andere Membran, in seinem Fall eine neue MEDI-Membran aus Silikon, Probleme mit der Leichtgängigkeit gehabt. Der Atemwiderstand war mit der steiferen Membran deutlich höher als mit der sehr weichen originalen, sodass er wieder auf die originale aus weichem Gummi zurückgegangen ist.

Die Oberschale ist aus Hartgummi, was sie sehr robust macht. Für die Gewinde der Verschraubung wird ein Bronzering eingesetzt, der die Membran sicher auf die Unterschale presst.
Die acht Schrauben aus Messing haben britisches Feingewinde (obwohl sie fast wie M4 aussehen) und sind nur schwer   beschaffbar. Also keine entlaufen lassen!
Das trifft auch auf die Schrauben für den Reserve-Port zu, wobei die aus Edelstahl sind, die man ev. noch bekommen könnte. Wenn alles nichts hilft, muss man eben aufbohren und M5 nachschneiden.
Jürgen hat sich die Arbeit gemacht und akribisch den genauen Typ der Schrauben bestimmt, damit man sie bestellen kann. Die Schrauben sind vom Typ 4 BA x 3/8. Zusätzlich hat er noch das Gewinde der Schraube im INT-Bügel bestimmt, die auch aus dem britischen Maßsystem stammt, 3/8 BSF (Feingewinde!).
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Teile ND-Ventil Ungewöhnlich ist das mit dem Druck dichtende Niederdruck-Ventil (upstream) gestaltet. Es besteht aus einer frei beweglichen Gummihalbkugel, die erst vom Luftstrom gegen die Ventilbohrung gepresst wird (auf dem Foto 180° verdreht). Ein sehr dünner Membranhebel kippt das Gummistück auf dem Ventilkrater, wodurch die Luft ausströmen kann.
Das sehr wichtige Venturi-Rohr sitzt auf der Ventilöffnung und wird von dem Membranhebel durchschnitten. Dem sagt man die Hauptverantwortung für das gute Atemverhalten des Merlin nach.
Das Sicherheitsventil (Teile 32...34), das bei upstream ja für den Fall eines MD-Steigers erforderlich ist, sitzt in einer Bohrung in der Unterschale. So kann der Taucher von der eventuell abstömenden Luft noch profitieren.
Wenn man ohnehin einen downstream octopus benutzt, kann man das Sicherheitsventil fest anziehen. Sonst ist es laut Handbuch auf etwa 8,5 bar einzustellen (mit MD-Manometer am Oktopus-Schlauch).
Sicherheitsventil demontiert
Das Ausatemventil war ausvulkanisiert. Es hätte aber problemlos durch einen gekürzten  Silikon-Entenschnabel (unten) ersetzt werden können. Ich hatte noch ein älteres Teil, was hier auch gut passte (rechtes Bild).
Befestigt wird es mit einem Kabelbinder.
originales und neues Ausatemventil Oberschale mit Entenschnabel-Ventil
Alle demontierten Teile wurden im Essig-Ultraschallbad von Kalk usw. gereinigt, leicht gefettet und wieder montiert.
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Blick von hinten Blick von oben Merlin Mk VI montiert
Die Membran der 1. Stufe wurde durch eine selbstgeschnittene ersetzt, die der 2. Stufe war ja glücklicherweise noch in Ordnung.
Danach habe ich den Regler an eine Flasche geschraubt und den Mitteldruck entsprechend Handbuch auf 6,5 bar bei 150 bar Flaschendruck eingestellt.
Und dann kam der erste Atemzug aus dem Faltenschlauch... Dieser Regler atmet sich (über Wasser) leichter als alle, die ich bisher geatmet habe. Ich bin sehr neugierig auf das Verhalten unter Wasser.
Apropos,
zum testweisen Atmen aus einem Kompaktregler IMMER einen Faltenschlauch auf den Einatemstutzen stecken, niemals direkt aus dem Horn atmen!
Durch einen Defekt am Ventil der zweiten Stufe kann man sich ohne Faltenschlauch schnell einen Lungenriss o.ä. holen. Der Schlauch puffert den Druckstoß etwas ab.

Heute habe ich ihn auch kurz unter Wasser ausprobiert. Er spielt mühelos in einer Reihe mit MEDI, Trieste, Nemrod,...
SeitenanfangWichtig ist übrigens, dass er so montiert wird wie auf dem mittleren Bild oben. Wenn man's nach der anderen Seite probiert, stoßen Ventilzylinder der ersten Stufe und Handrad des DIN_INT-Adapters ungünstig zusammen!


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Letzte Änderung: 09.11.14